Hallo [User First Name | Fallback: Teilnehmer],
herzlichen Glückwunsch! Du hast es fast geschafft. Wir beenden das erste Modul mit dem Thema, das über allem anderen steht. In der Elektrotechnik gibt es eine goldene Regel: Wir arbeiten niemals unter Spannung!
Aber wie stellen wir sicher, dass ein Kabel wirklich „tot“ ist, bevor wir es anfassen? Dafür gibt es die 5 Sicherheitsregeln (nach DIN VDE 0105). Diese Regeln sind wie die Checkliste eines Piloten vor dem Start: Sie müssen immer in der exakten Reihenfolge durchgeführt werden. Jedes Abweichen kann tödlich sein.
1. Die magische Reihenfolge
Hier sind sie, deine fünf neuen besten Freunde. Lerne sie auswendig, tätowiere sie dir (geistig) ein und weiche niemals von ihnen ab:
Freischalten: Den Stromfluss unterbrechen (z. B. Schalter aus, Sicherung raus).
Gegen Wiedereinschalten sichern: Dafür sorgen, dass niemand anderes den Strom „aus Versehen“ wieder einschaltet (z. B. Vorhängeschloss oder Warnschild).
Spannungsfreiheit feststellen: Mit einem zweipoligen Spannungsprüfer (kein „Lügenstift“!) messen, ob wirklich kein Druck mehr auf der Leitung ist.
Erdung und Kurzschließen: (In der Niederspannung meist erst ab bestimmten Leistungen nötig) – Den Stromkreis mit der Erde verbinden, damit im Fehlerfall sofort die Sicherung fliegt.
Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken: Alles in der Nähe, was noch „Saft“ hat, mit Isoliermatten oder Absperrungen sichern.
2. Warum die Reihenfolge heilig ist
Stell dir vor, Jens würde erst messen (Punkt 3) und dann erst die Sicherung ausschalten (Punkt 1). Das macht keinen Sinn, oder? Oder stell dir vor, er schaltet aus (Punkt 1), aber sichert nicht gegen Wiedereinschalten (Punkt 2). Während Jens am Kabel arbeitet, kommt ein Kollege vorbei, sieht die Sicherung und denkt: „Huch, wer hat die denn ausgemacht?“ – KLICK – und Jens ist in Lebensgefahr.
3. Jens in Aktion: Die 5 Regeln im Alltag
Jens soll eine Lampe in der Werkstatt prüfen, die flackert. Er geht nach Plan vor:
Regel 1: Er betätigt den Lichtschalter UND schaltet zusätzlich den Leitungsschutzschalter (Sicherung) im Verteilerkasten aus.
Regel 2: Er hängt ein Schild an die Sicherung: „NICHT SCHALTEN! Es wird gearbeitet. Name: Jens“. Er klebt die Sicherung zusätzlich ab.
Regel 3: Er klettert auf die Leiter und misst mit seinem zweipoligen Prüfer an der Lampenfassung. Erst als das Gerät „0 Volt“ anzeigt, fängt er an zu arbeiten.
(Regel 4 und 5 sind bei dieser kleinen Lampe oft nicht nötig, aber Jens hat sie im Hinterkopf, falls er mal an größeren Verteilungen arbeitet.)
4. Ein Wort zum „Lügenstift“
Als EUP von Kreuels Consulting benutzt du niemals einen einpoligen Phasenprüfer (den Schraubendreher mit dem Lämpchen). Warum? Weil er unzuverlässig ist. Er leuchtet manchmal, wenn keine Gefahr da ist, und bleibt manchmal dunkel, obwohl Lebensgefahr besteht. Für die Feststellung der Spannungsfreiheit (Regel 3) ist ausschließlich ein zweipoliger Spannungsprüfer (z. B. ein Duspol) zugelassen!
