📖 1.11 Statistik Stromtote und Unfälle

Hallo [User First Name | Fallback: Teilnehmer],

heute wird es für einen Moment etwas ernst, aber auch sehr hoffnungsvoll. Wir haben viel über Regeln, Rollen und Technik gesprochen. Vielleicht hast du dich zwischendurch gefragt: "Ist das nicht alles ein bisschen übertrieben? So gefährlich ist Strom doch im Alltag gar nicht, oder?"

Um das zu beantworten, schauen wir uns die Unfallstatistiken an. Aber keine Sorge, wir werden dich nicht mit trockenen Tabellen langweilen. Wir schauen uns an, was diese Zahlen für dich bedeuten.

1. Die gute Nachricht: Ein steiler Abwärtstrend

In den 1970er Jahren gab es in Deutschland noch über 200 Stromtote pro Jahr im gewerblichen Bereich. Heute liegt diese Zahl meist im niedrigen zweistelligen Bereich (oft zwischen 30 und 40).

Warum ist das so? Nicht, weil der Strom weniger gefährlich geworden ist. Sondern weil das System, in dem du jetzt ein wichtiger Teil bist, funktioniert! Die Einführung der EUP, die regelmäßigen Prüfungen nach DGUV V3 und die strengen Sicherheitsregeln haben tausende Leben gerettet. Wenn du also morgen ein defektes Kabel aus dem Verkehr ziehst, bist du direkt dafür verantwortlich, dass diese Statistik so niedrig bleibt.

2. Die unsichtbare Gefahr: Stromunfälle ohne Todesfolge

Was die Statistik der "Stromtoten" nicht zeigt, sind die tausenden Stromunfälle, die "glimpflich" ausgehen, aber schmerzhafte Folgen haben:

  • Verbrennungen: Lichtbögen bei Kurzschlüssen können Temperaturen von mehreren tausend Grad erzeugen.

  • Sturzunfälle: Oft ist nicht der Stromschlag selbst das Hauptproblem, sondern die Schreckreaktion. Wer auf einer Leiter einen kleinen Schlag bekommt und vor Schreck runterfällt, bricht sich die Knochen – das zählt in der Statistik oft als "Sturzunfall", die Ursache war aber der Strom.

  • Spätfolgen: Strom kann den Herzrhythmus stören, was erst Stunden später gefährlich wird.

3. Wo passieren die meisten Unfälle?

Die Statistik der Berufsgenossenschaften zeigt ein klares Bild: Die meisten Unfälle passieren nicht bei hochkomplizierten Arbeiten an Hochspannungsleitungen. Sie passieren im Niederspannungsbereich (unserer normalen 230V/400V Welt) und oft durch:

  1. Leichtsinn ("Nur mal kurz...")

  2. Mangelhafte Vorbereitung (5 Sicherheitsregeln nicht beachtet)

  3. Defekte Arbeitsmittel (Kabel, Stecker), die nicht rechtzeitig geprüft wurden.

4. Jens und die Verantwortung für die Statistik

Stell dir vor, Jens sieht ein aufgescheuertes Verlängerungskabel in der Werkstatt. Er könnte denken: "Ach, da ist ja noch Isolierung drunter, das geht schon noch heute."

Wenn Jens so denkt, spielt er "Russisches Roulette" mit der Statistik. Wenn er aber sagt: "Dieses Kabel ist eine potenzielle Gefahr, ich ziehe es sofort aus dem Verkehr", dann sorgt er dafür, dass am Abend alle gesund nach Hause zu ihren Familien gehen.

Empathie bedeutet hier: Zu verstehen, dass hinter jeder Zahl in der Unfallstatistik ein Schicksal steckt. Dein Job als EUP ist es, dafür zu sorgen, dass deine Kollegen niemals zu einer solchen Zahl werden.

5. Der "Beinahe-Unfall" – Deine wichtigste Kennzahl

In der Sicherheitstechnik sprechen wir von der "Unfallpyramide". Bevor ein schwerer Unfall passiert, gibt es meist hunderte "Beinahe-Unfälle".

  • Es hat mal kurz geknistert.

  • Es hat verbrannt gerochen.

  • Man hat "einen gewischt" bekommen, aber es ist nichts passiert.

Deine Aufgabe: Nimm diese Warnzeichen ernst! Ein Beinahe-Unfall ist ein Geschenk, weil er dir zeigt, wo du eingreifen musst, bevor Schlimmeres passiert.