Hallo [User First Name | Fallback: Teilnehmer],
willkommen zu einer der wichtigsten Lektionen, wenn es um dein tägliches Miteinander im Betrieb geht. Wir haben bereits über Gesetze und die Pflichten des Chefs gesprochen. Jetzt klären wir die Frage: Wer hat eigentlich wem gegenüber was zu sagen?
In der Elektrotechnik gibt es eine sehr klare Hierarchie. Das klingt im ersten Moment vielleicht nach „altmodischem Befehlston“, hat aber einen lebenswichtigen Grund: Strom verzeiht keine Missverständnisse. Wenn zwei Leute gleichzeitig an einer Leitung arbeiten und der eine nicht weiß, was der andere tut, kann das tödlich enden. Deshalb unterscheiden wir zwischen der Fachverantwortung und der Führungsverantwortung.
1. Die Fachverantwortung: Wissen ist Macht
Die Fachverantwortung trägt die Person, die das technische Fachwissen hat, um eine Arbeit korrekt und sicher auszuführen.
Die Elektrofachkraft (EFK): Sie trägt die oberste Fachverantwortung. Sie entscheidet, wie eine technische Lösung aussieht, welche Bauteile verwendet werden und ob eine Anlage sicher ist. Sie kann niemals von einem Chef (der vielleicht keine Ahnung von Strom hat) überstimmt werden, wenn es um die elektrische Sicherheit geht.
Die EUP (Du!): Auch du trägst eine Teil-Fachverantwortung. Du bist dafür verantwortlich, dass du die Aufgaben, die dir die EFK übertragen hat, fachlich richtig ausführst. Wenn du merkst, dass du an deine fachlichen Grenzen stößt, gehört es zu deiner Verantwortung, die Arbeit sofort abzubrechen.
2. Die Führungsverantwortung: Wer gibt den Ton an?
Die Führungsverantwortung liegt meist bei deinem direkten Vorgesetzten oder dem Betriebsinhaber. Hier geht es um die Organisation.
Der Vorgesetzte muss sicherstellen:
Dass du die Zeit für diese Schulung hast.
Dass du die richtige Schutzausrüstung bekommst.
Dass du körperlich und geistig in der Lage bist, die Aufgabe zu erledigen (ein übermüdeter Mitarbeiter darf nicht an elektrische Anlagen!).
Das Wichtige für dich: Ein Vorgesetzter ohne elektrotechnische Ausbildung darf dir zwar sagen, dass du eine Maschine prüfen sollst (Führungsverantwortung), aber er darf dir niemals vorschreiben, wie du das technisch machst oder dass du Sicherheitsregeln ignorieren sollst (Fachverantwortung).
3. Das Zusammenspiel – Dein Platz im Team
Stell dir die Zusammenarbeit wie bei einem Flugzeug vor. Der Pilot (EFK) hat die fachliche Verantwortung für den Flug. Der Chef der Fluggesellschaft (Führung) sorgt dafür, dass das Flugzeug gewartet ist und der Pilot genug Schlaf hatte. Du bist in diesem Bild der Co-Pilot oder der Techniker: Du arbeitest unter der Leitung des Piloten, hast aber deinen eigenen Verantwortungsbereich, in dem du absolut gewissenhaft sein musst.
4. Ein Praxisbeispiel mit Jens: Der Konflikt
Jens bekommt von seinem Abteilungsleiter (keine Elektrofachkraft) den Auftrag: „Jens, die Anlage 4 steht still. Überbrück mal kurz den Sicherheitsschalter, damit wir die Schicht zu Ende fahren können. Die Elektriker kommen eh erst morgen.“
Hier treffen Führungsverantwortung (Abteilungsleiter will Produktion) und Fachverantwortung (Sicherheit der Anlage) aufeinander.
Jens reagiert als Profi: Er weiß, dass er eine Remonstrationspflicht hat (ein kompliziertes Wort für: Er muss widersprechen, wenn etwas unsicher ist). Er sagt: „Ich verstehe, dass die Produktion wichtig ist. Aber als unterwiesene Person weiß ich, dass das Überbrücken von Sicherheitseinrichtungen ein massiver Verstoß gegen die Fachverantwortung ist. Ich darf und werde das nicht tun, da ich sonst für alle daraus resultierenden Unfälle persönlich haftbar wäre.“
Damit zeigt Jens: Er kennt seine Rolle. Er lässt sich nicht durch die Führungsverantwortung des Chefs dazu drängen, seine eigene Fachverantwortung zu verletzen.
5. Delegation – Was darf man dir übertragen?
Eine Elektrofachkraft darf dir Aufgaben „delegieren“. Das bedeutet aber nicht: „Hier hast du den Schlüssel zum Hochspannungsraum, viel Glück.“ Eine korrekte Delegation durch die EFK umfasst immer:
Auswahl: Ist [User First Name] für diese spezielle Aufgabe geeignet?
Anweisung: Eine klare Erklärung, was zu tun ist.
