Hallo [User First Name | Fallback: Teilnehmer],
heute sprechen wir über ein Thema, das niemand gerne hört, das aber für deine Sicherheit als EUP unerlässlich ist: Was passiert eigentlich, wenn etwas schiefläuft?
Keine Angst, das Ziel dieser Lektion ist nicht, dich zu erschrecken. Ganz im Gegenteil: Wir möchten dir zeigen, dass du durch dein Wissen und dein richtiges Handeln (das du hier lernst) fast alle rechtlichen Risiken von vornherein ausschaltest. In der Welt der Elektrotechnik hat "Pfusch" oder Unachtsamkeit oft zwei Arten von Folgen: technische und rechtliche. Letztere schauen wir uns jetzt genauer an.
1. Verantwortung ist teilbar, Haftung auch
Im deutschen Recht unterscheidet man oft zwischen verschiedenen Arten der Verantwortung. Als EUP trägst du die sogenannte Durchführungsverantwortung. Das bedeutet: Du bist dafür verantwortlich, dass du die Aufgaben, die man dir übertragen hat, so ausführst, wie du es gelernt hast.
Wenn du also eine Anweisung bekommst und diese gewissenhaft nach den Sicherheitsregeln umsetzt, hast du deine Pflicht erfüllt. Die Rechtsfolgen drohen meist erst dann, wenn man "vorsätzlich" (man weiß, dass es falsch ist, tut es aber trotzdem) oder "grob fahrlässig" (man lässt den gesunden Menschenverstand völlig außer Acht) handelt.
2. Die drei Ebenen der Konsequenzen
Falls gegen die Sicherheitsvorschriften (wie die DGUV V3) verstoßen wird, kann das auf drei Ebenen Folgen haben:
A. Arbeitsrechtliche Folgen
Das ist die Ebene zwischen dir und deinem Chef. Wenn du Sicherheitsregeln ignorierst, kann das zu Abmahnungen führen. In schweren Fällen, wenn du dich oder andere bewusst in Lebensgefahr bringst, kann das sogar eine Kündigung zur Folge haben. Dein Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht für alle Mitarbeiter – wenn jemand diese Sicherheit gefährdet, muss er einschreiten.
B. Bußgeld- und Strafrechtliche Folgen
Hier kommt der Staat ins Spiel. Verstöße gegen Unfallverhütungsvorschriften können als Ordnungswidrigkeiten gewertet werden und hohe Bußgelder nach sich ziehen. Richtig ernst wird es im Falle eines Unfalls. Wenn durch Missachtung der Regeln jemand verletzt wird (Körperverletzung) oder gar stirbt (fahrlässige Tötung), ermittelt die Staatsanwaltschaft. Aber auch hier gilt: Wer nach bestem Wissen und Gewissen im Rahmen seiner EUP-Unterweisung handelt, braucht sich vor diesem Szenario nicht zu fürchten.
C. Zivilrechtliche Folgen (Haftung)
Hier geht es ums Geld. Wenn eine Maschine abbrennt, weil eine Sicherung bewusst überbrückt wurde, stellt sich die Frage: Wer zahlt den Schaden? Die Versicherung (Berufsgenossenschaft) prüft dann sehr genau, ob die Regeln eingehalten wurden. Bei grober Fahrlässigkeit kann sie versuchen, sich das Geld vom Verursacher zurückzuholen (Regress).
3. Ein Praxisbeispiel mit Jens: Die "schnelle Lösung"
Stell dir vor, Jens sieht, dass eine Kabeltrommel einen Defekt am Stecker hat. Ein Kollege drängt ihn: "Jens, komm, wir müssen fertig werden. Wickel nur kurz Isolierband drum, das hält die letzte Stunde noch."
Jens weiß jetzt, was rechtlich auf dem Spiel steht:
Szenario 1 (Jens gibt nach): Er wickelt Isolierband darum. Es kommt zum Kurzschluss, der Kollege bekommt einen Stromschlag. Jens hat nun ein Problem, denn er ist "unterwiesen" und wusste, dass Panzertape keine fachgerechte Reparatur ist. Er hat grob fahrlässig gehandelt.
Szenario 2 (Jens bleibt standhaft): Jens sagt: "Nein, das mache ich nicht. Als EUP weiß ich, dass das lebensgefährlich ist. Wir tauschen die Trommel jetzt aus." Sollte der Chef nun sauer sein (was unwahrscheinlich ist), ist Jens rechtlich geschützt. Niemand darf ihn bestrafen, weil er eine unsichere Arbeit ablehnt.
4. Dein Schutz durch Dokumentation
Ein wichtiges Wort für dich ist Dokumentation. Wenn du eine Prüfung machst oder einen Mangel feststellst: Schreib es auf! In Thrive Apprentice oder in deinem Betriebsbuch. Wenn du dokumentiert hast: "Kabel XY als defekt gemeldet", bist du rechtlich komplett raus aus der Haftung, falls später jemand anderes das Kabel trotzdem benutzt.
Zusammenfassung: Keine Panik, aber Sorgfalt!
Rechtsfolgen klingen hart, aber sie sind eigentlich ein Loblied auf deine Ausbildung. Sie zeigen, wie wichtig deine neue Rolle ist. Wenn du:
Innerhalb deiner Grenzen bleibst,
Defekte sofort meldest,
Und niemals "mal eben schnell" pfuschst, ... dann ist dein "Schutzschild" (die gesetzliche Grundlage) absolut undurchdringlich.
