Hallo [Vorname des Benutzers | Fallback: Teilnehmer], willkommen in Modul 2!


Du hast Modul 1 mit Bravour gemeistert. Jetzt verlassen wir den Bereich der reinen Organisation und tauchen ein in die Welt, in der Theorie auf Praxis trifft. Vielleicht hast du dich schon gefragt: „Wer entscheidet eigentlich, wie ein Kabel verlegt werden muss oder wie eine Steckdose geprüft wird? Macht das jeder Betrieb, wie er will?“

Die Antwort lautete: Nein. In Deutschland haben wir ein System, das weltweit bewundert wird – die „allgemein anerkannten Regeln der Technik“. In dieser Lektion lernst du, warum diese Regeln dein bester Freund sind und wie du sie im Alltag als EUP nutzt, um rechtlich und technisch immer auf der sicheren Seite zu stehen.

1. Was sind eigentlich „anerkannte Regeln der Technik“?

Stell dir vor, Jens steht in einer Werkstatt und soll beurteilen, ob eine Maschine noch sicher ist. Er kann sich nicht einfach auf sein Bauchgefühl verlassen. Er braucht einen Maßstab.

Definition: Die allgemein anerkannten Regeln der Technik sind Grundsätze, die in der Wissenschaft als theoretisch richtig anerkannt sind und sich in der Praxis bei der Mehrheit der Fachleute bewährt haben. In der Elektrotechnik sind das primär die VDE-Bestimmungen.

Wichtig für dich:

  • Sie sind kein starres Gesetz, aber sie haben Gesetzescharakter. Wenn etwas passiert und du dich an die VDE-Regeln gehalten hast, wird man dir kaum ein Fehlverhalten vorwerfen können.
  • Sie spiegeln den aktuellen Stand der Sicherheit wider.

2. Die Hierarchie der Regeln: Von Gesetzen zu Normen

Es gibt eine klare Rangordnung, die du kennen solltest:

  1. Staatliche Gesetze & Verordnungen (z. B. das Energiewirtschaftsgesetz EnWG oder die Betriebssicherheitsverordnung BetrSichV). Sie sagen: „Es muss sicher sein!“
  2. Unfallverhütungsvorschriften (z. B. die DGUV Vorschrift 3). Sie sagen: „Du musst prüfen!“
  3. VDE-Bestimmungen / DIN-Normen: Sie sagen dir ganz genau: „WIE du prüfen musst!“

Jens weiß: Wenn er die VDE-Norm erfüllt, erfüllt er automatisch auch die Forderungen des Gesetzes. Das gibt ihm Sicherheit.

3. Der „Stand der Technik“ vs. „Regeln der Technik“

Hier wird es oft verwechselt.

  • Regeln der Technik: Das, was sich seit Jahren bewährt hat und jeder kennt (z. B. die klassischen 5 Sicherheitsregeln).
  • Stand der Technik: Das, was technisch aktuell machbar ist (oft moderner als die offizielle Norm).
  • Stand der Wissenschaft: Das, was theoretisch möglich ist, aber noch nicht im Alltag angekommen ist.

Als EUP arbeitest du in der Regel nach den anerkannten Regeln der Technik. Du musst kein Erfinder sein, du musst ein gewissenhafter Anwender sein.

4. Warum wir Normen brauchen (Empathie-Check mit Jens)

Jens erinnerte sich an einen Auftrag in einer alten Industriehalle. Die Leitungen sehen „irgendwie okay“ aus, aber sie entsprachen nicht mehr der aktuellen VDE-Norm für diesen Bereich.

Hätte er sie einfach so lassen können? Wäre er freundlich seinem Chef gegenüber gewesen, hätte er gesagt: „Passt schon, spart Geld.“ Aber wahres Sicherheitsbewusstsein zeigt Jens gegenüber den Menschen, die dort arbeiten. Er weiß: Normen verhindern Brände und Stromschläge. Er weist freundlich darauf hin, dass die Anlage an die aktuellen Regeln der Technik angepasst werden muss.

Dein Lernen: Normen sind kein Selbstzweck. Sie schützen Menschenleben.

5. Die wichtigsten Instanzen: DIN, VDE und EN

  • DIN (Deutsches Institut für Normung): Regelt alles vom Papierformat bis zur Schraube.
  • VDE (Verband der Elektrotechnik): Das „Gesetzbuch“ für Elektriker. Fast alle wichtigen Sicherheitsregeln für dich stammen von hier.
  • EN (Europäische Norm): Sorgen Sie dafür, dass ein Gerät aus Frankreich auch in Deutschland sicher betrieben werden kann.

6. Zusammenfassung für deinen Alltag

Wenn du morgen als EUP ein Gerät prüfst, fragst du dich immer: „Entspricht das den Regeln der Technik?“ Wenn Sie ein CE-Zeichen oder ein VDE-Prüfsiegel sehen, ist das ein starkes Indiz dafür. Wenn du aber ein verschmortes Kabel siehst, ist völlig klar: Das entspricht nicht mehr der Regel der Technik – egal, was auf dem Siegel steht.